Produktbeschreibung
Carl Barks' Onkel Dagobert ist das Pendant des zwanzigsten Jahrhunderts zu Charles Dickens' Vorgänger, Ebenezer Scrooge, und er spielt getreu seiner Pfennigfuchser-Rolle in einer Kulisse seines berüchtigten Geizes "A Christmas Trimming" (1972 gemalt, lautete Barks' ursprünglicher Titel einfach Christmas Composition; "Christmas trimming" hat die doppelte Bedeutung Weihnachtszierde/weihnachtliche Abfuhr). Es war die zweite von nur zwei Lithographien (beide Miniaturen), die von Another Rainbow mit dreidimensionaler Papieroberfläche herausgegeben wurden (die erste war ein ganzfiguriges Porträt von Onkel Dagobert, Pick and Shovel Laborer). Es ist jedoch der einzige Barks-Druck, bei dem ein Spritzer Perlmutt-Tinte aufgetragen wurde, eine japanische Holzschnitt-Technik (um 1800 entstanden), die den Effekt von fallendem Schnee verstärkt.
Thematisch ist das Bild an A Christmas Carol in Prose von Charles Dickens angelehnt. Diese Geschichte brachte Disney in der Nacherzählung von Annie North Bedford als Donald Duck and the Christmas Carol (Little Golden Books) 1960 im Kinderbuchformat heraus. Barks hatte bereits zwei Jahre vorher die Illustrationen dazu angefertigt. Season to be Jolly (1974) hat die gleiche Szenerie, ist aber inhaltlich verschieden.
Die kunstvolle Komposition des Bildes ergibt sich daraus, dass die Szene zwar wie mit einem Scheinwerferkegel erhellt wird und eine runde Arena freigibt, das Zentrum aber außerhalb liegt, nämlich beim hochgehaltenen Weihnachtsbaum. Erst wenn die Münze in Dagobert Ducks Hand fällt, wird der Weihnachtsbaum in die Mitte gestellt werden. Das Bäumchen - das mickrigste, das sich Donald Duck und die Neffen leisten konnten (sogar ihr Sparschwein - noch lacht es, weil es so voll ist! - bieten die Kinder an), wird von Dagobert Duck in sicherer Reichweite gehalten. Die schräge Lage des Baumes lässt ihn fast nach hinten kippen. Durch die ausgereckten Arme (die sowohl ein Ausstrecken wie Auffangen bedeuten können) wird eine Linie erzeugt, die den Baum in seiner Schräglage hält.
Der Ort des Geschehens, dieses altertümliche, englisch anmutende Städtchen, ist in dem eher fröhlichen Pendant Season to be Jolly aus einer anderen Perspektive gezeigt. Hinter den warmleuchtenden Bleischeiben des Hauses, das wir als Ale House erkennen, wird fröhlich gefeiert. Auf den Straßen und Plätzen singen und jubilieren festlich gestimmte Menschen, darunter Donald Duck und die Neffen. Alle scheinen Dagobert Duck zuzujubeln, der mit finsterem Gesicht seinen Sack Geld nach Haus schleppt, vorbei an Bettlern und Armen. Die Ähnlichkeit mit Nobody’s Spending Fool ist auffällig.
Beide Bilder gehören zusammen und offenbaren in ihrem Nebeneinander, dass keine wahren Begebenheiten aus dem Leben der Ducks dargestellt sein sollen (dazu schließen sich die beiden Motive gegenseitig aus), sondern zwei Haltungen zum Weihnachtsfest: Erzeugen Armut und Hartherzigkeit bei Christmas Composition ein Gefühl der Trostlosigkeit, besonders dadurch, dass sich dieser Vorgang in der Familie abspielt, so bricht in Season to be Jolly bei aller Durchwirktkeit mit Elend und Armut die weihnachtliche Stimmung durch. Um gegen den Spielverderber Dagobert Duck anzukommen, bedarf es allerdings mehr als eines Donald Ducks: erst die allgemeine Freude der Bürgerschaft erzeugt den Funken.
Nummeriert (351/595). Signiert in der rechten unteren Ecke.